Weltkarten für Perspektivwechsel und Sprachenvielfalt

Die BtE-Weltkarten „Perspektiven wechseln“ und „Vielfalt sprechen lassen“ laden dazu ein, vertraute Vorstellungen von der Welt zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.

Beide Karten basieren auf der flächentreuen Peters-Projektion und eignen sich für Globales Lernen und entwicklungspolitische Bildungsarbeit – im Unterricht, in Workshops und in außerschulischen Lernkontexten.

Mit den Weltkarten arbeiten

  • Entdecken – Was fällt auf? Was wirkt vertraut oder ungewohnt?

  • Perspektiven wechseln – Welche Vorstellungen von der Welt prägen unseren Blick?

  • Vielfalt sichtbar machen – Welche Sprachen, Lebenswelten und Perspektiven werden sichtbar – und welche bleiben vielleicht unsichtbar?

Weltkarte Perspektiven wechseln

Was passiert, wenn eine Weltkarte plötzlich anders aussieht als gewohnt?

Die Weltkarte „Perspektiven wechseln“ verbindet eine flächentreue Darstellung der Erde mit einem bewussten Perspektivwechsel: Die Karte kann mit dem Globalen Süden oben aufgehängt werden.

So wird sichtbar, dass Weltkarten nicht nur geografische Informationen vermitteln, sondern auch unsere Wahrnehmung der Welt prägen. Die ungewohnte Darstellung lädt dazu ein, eigene Vorstellungen von „oben“ und „unten“ sowie vertraute Orientierungen und Wertungen zu hinterfragen.

Die Karte eignet sich als visueller Einstieg in Globales Lernen, globale Gerechtigkeit, koloniale Kontinuitäten, Weltbilder und globale Zusammenhänge.

Perspektiven wechseln - Vorschläge ab Klasse 7

Irritationen hervorrufen

Einstieg · ca. 5–10 Min.

Beginne mit dem ungewohnten Kartenbild (Süden oben) und stelle offene Fragen:

  • „Was irritiert?“
  • „Was fällt im Vergleich zu gewohnten Karten auf?“

Die Fragen aktivieren Vorwissen und eröffnen den Raum, vertraute Vorstellungen von der Welt zu hinterfragen.

Ziel: Vertraute Sehgewohnheiten sichtbar machen und einen Perspektivwechsel anregen.

Was ist "richtig"?

Wahrnehmung · ca. 10–15 Min.

Bitte die Lernenden, sich bewusst „in die Karte hineinzuversetzen“:

  • Wie wirkt die Welt, wenn meine Region oben/unten liegt?
  • Was verändert das an meiner Wahrnehmung von Bedeutung oder Macht?

Ziel: Eigene Vorstellungen von Orientierung, Normalität und Bedeutung reflektieren.

Der Orangentest

Kartenprojektionen · ca. 20 Min.

Eine Orange steht stellvertretend für den Globus. Zeichnet gemeinsam die Umrisse der Kontinente auf die Schale. Anschließend wird die Orange vorsichtig geschält und die Schale möglichst flach auf einem Blatt Papier ausgelegt.

  • Was passiert mit den Formen?
  • Wo entstehen Verzerrungen oder Lücken?

Die Übung macht anschaulich, warum die dreidimensionale Erde nicht ohne Verzerrungen auf einer zweidimensionalen Weltkarte dargestellt werden kann.

Ziel: Verstehen, warum jede Weltkarte die Erde auf bestimmte Weise darstellt und dabei Verzerrungen entstehen.

 

Perspektiven wechseln - Vorschläge ab Klasse 10

Weltkarten-Quiz: Was wissen wir über die Welt?

Weltwissen · ca. 10–15 Min.

Veranstalte ein kleines Quiz: Die Lernenden können gegeneinander antreten und Fragen nach dem größten Land, dem bevölkerungsreichsten Land etc. auf die vermuteten Länder auf der Karte zeigen. Wenn alle ihren Zeigefinger platziert haben, erfolgt die Auflösung.

 

Ziel: Eigene Vorstellungen von globalen Größenverhältnissen sichtbar machen und mit geografischen Fakten abgleichen.

Standpunkte - Wo stehen wir?

Perspektiven · ca. 20–30 Min.

Die Lernenden positionieren sich zu ausgewählten Aussagen und begründen ihren Standpunkt. Anschließend werden unterschiedliche Perspektiven miteinander verglichen. Zum Beispiel:

  • „Wo würdest du stehen, wenn du deine Perspektive auf die Welt erklären würdest?“
  • „Welche Region beeinflusst dein Leben besonders?“ Soziale und geografische Positionierungen werden sichtbar und besprechbar.

Ziel: Eigene Positionen reflektieren, unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen und die eigene Sichtweise hinterfragen.

Reflexion: Wie entstehen Weltbilder?

Weltbilder · ca. 15–20 Min.

Zum Abschluss wird reflektiert, was sich durch die ungewohnte Darstellung der Welt verändert hat.

  • "Wie entstehen Weltbilder?"
  • "Welche Vorstellungen von der Welt erscheinen selbstverständlich? Woher kommen sie?"
  • "Und welche Perspektiven fehlen möglicherweise?"
  • "Wie können wir uns der Welt gerechter annähern?"

Ziel: Die eigene Wahrnehmung reflektieren und Erkenntnisse aus der Arbeit mit der Karte auf andere Kontexte übertragen.

Globale Verflechtungen - Was verbindet uns?

Die Weltkarte kann auch als Ausgangspunkt dienen, um globale Verflechtungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Einen ausführlicheren Zugang dazu bietet das Weltspiel. Dort werden globale Verteilungen, Zusammenhänge und Ungleichheiten gemeinsam erkundet und diskutiert. BtE Baden-Württemberg entwickelt und bündelt fortlaufend Methoden dazu.

→ Zum Weltspiel

 

Weltkarte "Vielfalt sprechen lassen"

Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt – und welche davon kennen wir?

Die Weltkarte „Vielfalt sprechen lassen“ ist eine Weiterentwicklung der Weltkarte „Perspektiven wechseln“. Sie übernimmt deren flächentreue Darstellung und erweitert den Perspektivwechsel um die Dimension Sprache.

Die Karte zeigt Sprachenvielfalt auf und lädt dazu ein, die eigene Wahrnehmung von Sprache und sprachlicher Vielfalt zu hinterfragen.

Sprache ist mehr als ein Kommunikationsmittel: Sie ist eng mit Identität, Kultur, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe verbunden. Gleichzeitig sind Sprachen unterschiedlich sichtbar und unterschiedlich mächtig.

Die Karte eröffnet damit einen Zugang zu Fragen wie: Welche Sprachen begegnen uns im Alltag? Welche Sprachen sind auf Weltkarten sichtbar? Welche Sprachen gelten als „wichtig“ – und warum?

So wird sprachliche Vielfalt zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Diversität, Mehrsprachigkeit, Identität und globalen Zusammenhängen.

Vielfalt sprechen lassen: Vorschläge ab Klasse 7

Mein Sprachen-Ich

Sprachbiografie · Selbstreflexion · ca. 20–30 Min.

Welche Sprachen spielen in meinem Leben eine Rolle? Die Lernenden machen ihre persönliche Sprachenvielfalt sichtbar. Sie tragen Sprachen, die ihnen wichtig sind oder denen sie im Alltag begegnen, in eine Körpersilhouette ein und gestalten diese mit Farben und Symbolen.

Anschließend tauschen sie sich aus:

  • Welche Sprachen spielen eine besondere Rolle? Wann und mit wem werden sie gesprochen?
  • Welche Gefühle oder Erinnerungen verbinden sich mit ihnen?

Der Blick geht anschließend auf die Weltkarte:

  • Welche Sprachen aus der Gruppe finden sich dort wieder?
  • Welche sind uns vertraut, welche weniger?

Ziel: Die eigene sprachliche Vielfalt wahrnehmen und mit der globalen Sprachenvielfalt in Beziehung setzen.

Sprachen auf der Karte und im Alltag

Sprachenvielfalt · Recherche · ca. 20–30 Min.

Ein Land – viele Sprachen: Die Lernenden wählen ein Land von der Weltkarte aus und recherchieren, welche Sprachen dort gesprochen werden.

Dabei geht es nicht nur um Amtssprachen. Auch regionale Sprachen, Minderheitensprachen und weitere im Alltag verwendete Sprachen können betrachtet werden. Anschließend wird die Situation mit dem eigenen Umfeld verglichen:

  • Wo begegnen uns diese Sprachen?
  • Sind sie in der Schule, im öffentlichen Raum, in Medien oder im Alltag sichtbar?

Ziel: Wahrnehmen, dass sprachliche Vielfalt häufig größer ist, als es die Zuordnung eines Landes zu einer bestimmten Sprache vermuten lässt.

Wie sprechen wir?

Dialekte · Sprachvielfalt · ca. 15–20 Min.

Hochdeutsch, Dialekt, Umgangssprache – wie sprechen wir eigentlich? Die Lernenden sammeln Dialekte und Sprachvarianten, die sie kennen oder selbst verwenden. Sie tauschen sich darüber aus, wann und mit wem sie unterschiedlich sprechen und welche Vorstellungen mit bestimmten Sprechweisen verbunden werden. Dabei kann auch die Frage entstehen:

  • Was gilt eigentlich als „richtige“ Sprache – und wer entscheidet darüber?

Ziel: Sprachliche Vielfalt im eigenen Umfeld entdecken und Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“ in Bezug auf Sprache hinterfragen.

 

Vielfalt sprechen lassen: Vorschläge ab Klasse 10

Wie viele Sprachen gibt es?

Sprachenvielfalt · Recherche · ca. 20–30 Min.

Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt? Und lässt sich diese Frage überhaupt eindeutig beantworten?

Die Lernenden recherchieren unterschiedliche Angaben zur Zahl der weltweit gesprochenen Sprachen und untersuchen, warum die Ergebnisse voneinander abweichen können. Anschließend geht es um die Frage, was überhaupt als Sprache gilt:

  • Wo verläuft die Grenze zwischen Sprache und Dialekt?
  • Wer entscheidet darüber?
  • Und welche Sprachen werden gezählt und sichtbar gemacht?

Die Weltkarte dient dabei als Ausgangspunkt für Recherche und Diskussion.

Ziel: Die Vielfalt der Sprachen erfassen und kritisch hinterfragen, wie Sprachen definiert, gezählt und eingeordnet werden.

Wörterbücher der Welt

Sprache und Macht · Recherche · ca. 30 Min.

Welche Sprachen finden sich in unseren Wörterbüchern – und welche nicht?

Die Lernenden untersuchen, welche Sprachen in Wörterbüchern, Lexika oder digitalen Übersetzungsangeboten vertreten sind. Sie vergleichen, wie gut verschiedene Sprachen dokumentiert und zugänglich sind. Daran schließen Fragen an:

  • Welche Sprachen sind besonders gut erforscht und dokumentiert?
  • Wer entscheidet, welche Wörter und Sprachformen aufgenommen werden?
  • Was bedeutet es für eine Sprachgemeinschaft, wenn ihre Sprache sichtbar und anerkannt ist?

Ziel: Den Zusammenhang von Sprache, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Macht erkennen.

Mehrsprachigkeit: Wie kann sie gelingen?

Mehrsprachigkeit · Gesellschaft · ca. 30 Min.

Mehrsprachigkeit gehört in vielen Ländern zum Alltag. Aber wie kann eine Gesellschaft damit umgehen?

Am Beispiel der Schweiz untersuchen die Lernenden, wie Mehrsprachigkeit in unterschiedlichen Bereichen gestaltet wird – etwa in Politik, Bildung, Verwaltung und im öffentlichen Raum.

Anschließend übertragen sie die Erkenntnisse auf andere Länder und die eigene Lebenswelt:

  • Welche Chancen bietet Mehrsprachigkeit?
  • Wo entstehen Herausforderungen?
  • Und welche Sprachen werden besonders sichtbar oder einflussreich?

Ziel: Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Realität verstehen und die Bedeutung von Sprache für Teilhabe, Identität und gesellschaftliches Zusammenleben reflektieren.